Über fast drei Jahrzehnte hinweg, von den frühen 1990er-Jahren bis Ende 2022, war der Elb-Havel-Winkel Teil der EU-Förderprogramme LEADER und CLLD für die Entwicklung ländlicher Räume. In dieser Zeit entstand eine ganze Reihe konkreter Projekte, von sanierten Kirchtürmen über ein Gesundheitszentrum bis zur Erlebnisbrauerei in Schollene, die bis heute Teil der sichtbaren Infrastruktur der Region sind.
Seit dem 1. Januar 2023 finden auf dieser Dokumentationsseite keine Aktualisierungen mehr statt, die LEADER-Arbeit im Elb-Havel-Winkel ist damit formal abgeschlossen. Was bleibt, sind die einzelnen Projekte selbst, unabhängig davon, dass die Organisation, die sie ermöglicht hat, ihre Arbeit beendet hat.
Dieser Beitrag ordnet einige der wichtigsten Projekte chronologisch ein und beschreibt, wie aus Förderentscheidungen reale touristische und infrastrukturelle Ziele wurden.
Über die drei Jahrzehnte hinweg änderte sich dabei nicht nur die Fördersumme, sondern auch die Art der Projekte: Frühe Vorhaben in den 1990er-Jahren betrafen oft grundlegende Infrastruktur wie Abwasserentsorgung, während spätere Förderperioden zunehmend touristische und kulturelle Projekte in den Vordergrund rückten, von Kirchensanierungen bis zur Erlebnisbrauerei. Diese Verschiebung spiegelt eine allgemeine Entwicklung in der ländlichen Regionalförderung wider: Sobald grundlegende Infrastruktur weitgehend steht, verlagert sich der Schwerpunkt häufig auf Projekte, die eine Region für Besucher und für das eigene Gemeindeleben zugleich attraktiver machen.
Was LEADER und CLLD für die Region bedeuteten
LEADER steht für einen französischsprachigen Begriff, der sinngemäß „Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft“ bedeutet, und ist eine Gemeinschaftsinitiative der Europäischen Union zur Förderung des ländlichen Raums, wie es die Beschreibung der LEADER-Initiative auf dieser Dokumentationsseite erläutert. CLLD, die von der örtlichen Bevölkerung getragene lokale Entwicklung, ergänzte dieses Prinzip in späteren Förderperioden.
Für den Elb-Havel-Winkel bedeutete das konkret: Eine Lokale Aktionsgruppe aus Vertretern der Region entschied über Jahre hinweg mit, welche Projekte mit EU-Mitteln unterstützt wurden, von kleinen Dorfkirchen bis zu touristischer Infrastruktur, dokumentiert unter anderem in der Übersicht zu Förderdokumenten und Richtlinien dieser Seite.
Charakteristisch für den LEADER-Ansatz ist dabei das Bottom-up-Prinzip: Nicht eine zentrale Behörde entscheidet allein über die Projektauswahl, sondern ein Gremium aus lokalen Akteuren, von Kommunalvertretern über Vereine bis zu Unternehmern der jeweiligen Region. Diese Struktur sollte sicherstellen, dass die geförderten Projekte tatsächlich den Bedürfnissen vor Ort entsprechen, statt von außen vorgegeben zu werden. Für eine Region wie den Elb-Havel-Winkel, in der kein einzelner Ort groß genug ist, um die Entwicklung allein zu bestimmen, war dieses Prinzip besonders relevant: Dörfer wie Schollene, Sandau oder Klietz erhielten auf diese Weise jeweils eine eigene Stimme im Entscheidungsprozess, statt dass eine einzelne größere Gemeinde die Förderrichtung für alle anderen vorgab.
Projekte, die bis heute sichtbar sind
Über die verschiedenen Förderperioden hinweg entstand eine Reihe von Projekten, die sich grob so zusammenfassen lassen:
| Ort | Projekt | Förderperiode |
|---|---|---|
| Sandau | Wiederaufbau des Kirchturms St. Laurentius | 2000–2011 |
| Kuhlhausen | Austausch der Kirchenfenster | 2007–2011 |
| Klietz | Gesundheitszentrum | 2007–2011 |
| Garz | Havelhöfe | 2007–2011 |
| Wust | Umnutzung der ehemaligen Molkerei, Treppenhaussanierung im Herrenhaus | 2007–2011 |
| Schollene | Erlebnisbrauerei, zwei Bauabschnitte | nach 2011 |
| 12 Gemeinden | Knotenpunktbezogene Radwegweisung „Radeln nach Zahlen“ | 2016–2021 |
Die Erlebnisbrauerei in Schollene und die knotenpunktbezogene Wegweisung gehören dabei zu den zuletzt umgesetzten und am besten dokumentierten Vorhaben der gesamten Förderzeit.
Auffällig an dieser Liste ist die Bandbreite der beteiligten Orte: Kaum ein Dorf des Elb-Havel-Winkels blieb über die Jahrzehnte hinweg vollständig ohne eigenes LEADER-Projekt, von kleineren Wegebaumaßnahmen zwischen Kamern und Neukamern bis zu größeren Vorhaben wie der Umnutzung der Molkerei in Wust. Diese Streuung über viele kleine Orte statt weniger großer Zentren war erklärtes Ziel der Förderung, nicht Zufall. Wer die Tabelle oben mit einer Landkarte der Region vergleicht, erkennt schnell, dass kaum zwei der genannten Orte unmittelbar benachbart liegen, die Förderung also bewusst über die gesamte Fläche des Elb-Havel-Winkels verteilt wurde.
Das Ende der Förderperiode 2022
Zum 31. Dezember 2022 endete die Arbeit der Lokalen Aktionsgruppe „Elb-Havel-Winkel“ offiziell, gemeinsam mit der benachbarten LAG „Uchte-Tanger-Elbe“. Auch das zugehörige LEADER-Management stellte zu diesem Zeitpunkt seine Tätigkeit ein. Diese Zäsur betraf die administrative und fördertechnische Seite der Regionalentwicklung, nicht die bereits realisierten Projekte selbst, die unabhängig vom Fortbestand der LAG weiterhin existieren.
Diese Dokumentationsseite selbst macht diesen Einschnitt transparent: Sie wird, wie die Startseite festhält, vom Landkreis Stendal ausschließlich im Rahmen seiner Verpflichtung zur transparenten Dokumentation des abgeschlossenen LEADER/CLLD-Prozesses öffentlich zugänglich gehalten, nicht als Zeichen fortlaufender Aktivität.
Für die Region bedeutete das Ende der Förderperiode vor allem eines: Es gab keine neuen Anträge und keine neuen Bewilligungen mehr über diese Struktur, nicht aber das plötzliche Verschwinden der bereits erzielten Ergebnisse. Brücken, Brauereien und sanierte Kirchen benötigen nach ihrer Fertigstellung keine fortlaufende Förderverwaltung, um weiter zu bestehen. Der eigentliche Unterschied betrifft künftige, neue Vorhaben: Ohne eine aktive Lokale Aktionsgruppe gibt es in der bisherigen Form keine Struktur mehr, über die sich weitere Projekte dieser Art in der Region beantragen ließen.
Die Nachfolge: Ein gemeinsamer Verein für zwei Regionen
Als Nachfolgestruktur für die beiden bisherigen LAGs gründete sich der LEADER-Verein „Altmark-Elbe-Havel“, der laut der realen Abschieds-Nachricht vom November 2022 zum damaligen Zeitpunkt bereits ins Vereinsregister eingetragen war und auf die Anerkennung seiner Lokalen Entwicklungsstrategie durch das Land wartete, um ab der folgenden Förderperiode für die LEADER/CLLD-Förderung der Region zuständig zu werden.
Über den weiteren Verlauf dieser Nachfolge macht diese Dokumentationsseite, die seit Anfang 2023 nicht mehr aktualisiert wird, keine Angaben, das wäre über das hinaus, was die reale Quelle selbst belegt. Festzuhalten bleibt, dass die touristischen und baulichen Ergebnisse der vorherigen Förderjahre, von Schollene bis Sandau, unabhängig vom weiteren Verlauf dieser Vereinsgründung weiter bestehen.
Für Besucher der Region ist diese Nachfolgefrage ohnehin zweitrangig: Wer heute den Elb-Havel-Winkel bereist, begegnet realen, seit Jahren bestehenden Orten und Projekten, unabhängig davon, welche Organisation gerade formal für künftige Förderanträge zuständig ist. Die Pressestimmen dieser Dokumentationsseite geben einen zusätzlichen Eindruck davon, wie die Region während der aktiven LEADER-Jahre öffentlich wahrgenommen wurde.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeuten LEADER und CLLD?
LEADER ist eine EU-Gemeinschaftsinitiative für die Entwicklung ländlicher Räume, CLLD steht für die von der örtlichen Bevölkerung getragene lokale Entwicklung, eine Ergänzung aus späteren Förderperioden.
Wann endete die Arbeit der LAG Elb-Havel-Winkel?
Zum 31. Dezember 2022, gemeinsam mit der benachbarten LAG „Uchte-Tanger-Elbe“.
Bleiben die geförderten Projekte nach dem Ende der LAG bestehen?
Ja, die realisierten Bauwerke und Einrichtungen, etwa die Erlebnisbrauerei in Schollene oder die sanierten Kirchen, bestehen unabhängig vom Fortbestand der LAG weiter.
Wer übernimmt die LEADER-Arbeit in der Region künftig?
Laut der realen Quelle von 2022 der neu gegründete LEADER-Verein „Altmark-Elbe-Havel“, der zu diesem Zeitpunkt auf die staatliche Anerkennung seiner Entwicklungsstrategie wartete.