Der Havelradweg folgt der Havel von ihrer Quelle in Mecklenburg-Vorpommern bis zur Mündung in die Elbe bei Havelberg und durchquert dabei auch den Elb-Havel-Winkel, eine Region im Nordosten von Sachsen-Anhalt, direkt an der Grenze zu Brandenburg. Auf rund 509 Quadratkilometern leben hier etwa 17.700 Menschen, verteilt auf Dörfer und kleine Ortschaften, die administrativ zum Landkreis Stendal gehören und historisch den ehemaligen Landkreis Havelberg bilden.
Wer die Gegend mit dem Fahrrad erkundet, bewegt sich durch eine flache, von zwei Flüssen geprägte Landschaft, in der Deiche, Auen und kleine Dorfkerne den Takt vorgeben. Zwischen 2016 und 2022 kümmerte sich hier eine Lokale Aktionsgruppe im Rahmen des EU-Programms LEADER um die Entwicklung genau dieser ländlichen Infrastruktur, ein Kapitel, das inzwischen abgeschlossen ist, dessen sichtbare Ergebnisse entlang der Strecke aber bis heute bestehen.
Dieser Beitrag beschreibt, wo der Havelradweg durch den Elb-Havel-Winkel führt, welche Orte unterwegs liegen und was die Region landschaftlich auszeichnet.
Die Flussniederungen von Elbe und Havel wurden über Jahrhunderte immer wieder reguliert und eingedeicht, um die angrenzenden Dörfer vor Hochwasser zu schützen. Dieses enge Verhältnis zwischen Mensch und Fluss prägt die Region bis heute und erklärt, warum Deiche entlang großer Teile der Radwege als natürliche, leicht erhöhte Streckenführung dienen.
Die Flusslandschaft zwischen Elbe und Havel
Der Elb-Havel-Winkel verdankt seinen Namen der Lage zwischen zwei Flüssen: Im Westen begrenzt die Elbe das Gebiet, im Norden mündet die Havel in sie. Diese Nähe zu zwei großen Flüssen prägt die Topografie durchgehend flach, mit Wiesen, Auwäldern und einzelnen Altarmen, die früher regelmäßig überflutet wurden. Die Bevölkerungsdichte liegt mit knapp 35 Einwohnern pro Quadratkilometer deutlich unter dem Durchschnitt des Landkreises Stendal, was der Region bis heute einen ruhigen, dünn besiedelten Charakter verleiht.
Für Radfahrer bedeutet das vor allem eins: wenig Steigung und viel freie Sicht über die Flussniederung. Der Havelradweg nutzt diese Topografie und führt über weite Strecken direkt am Deich oder in Sichtweite des Flusses entlang, vorbei an kleinen Ortschaften, die selten mehr als ein paar hundert Einwohner zählen. Historisch gehörten einige dieser Orte zeitweise zur Prignitz oder zum Jerichower Land, bevor sie im heutigen Zuschnitt des Landkreises Stendal aufgingen, eine Verwaltungsgeschichte, die man der Landschaft selbst nicht ansieht, die aber erklärt, warum die Region bis heute eine eigene, von der übrigen Altmark leicht abweichende Identität hat.
Die Niederungen beider Flüsse bieten zudem Lebensraum für zahlreiche Wat- und Wasservögel, die in den Auwäldern und an den Altarmen brüten. Für Radfahrer, die mit offenen Augen unterwegs sind, ist das ein zusätzlicher, unaufdringlicher Teil der Strecke, auch wenn die Region touristisch nicht in erster Linie als Vogelbeobachtungsgebiet vermarktet wird.
Schollene: Dorf an der Havel mit eigener Brücke
Eine der Stationen entlang der Route ist Schollene, ein kleines Dorf direkt an der Havel. Mit LEADER-Mitteln wurde hier die sogenannte Weiße Brücke neu gebaut, eine Flussquerung, die bis heute Teil der lokalen Infrastruktur ist und auch von Radfahrern genutzt wird, die die Havel an dieser Stelle überqueren möchten.
Schollene ist inzwischen aus einem zweiten Grund für Besucher interessant: In einem historischen Gebäude aus dem Jahr 1841 hat der Gastwirt Maik Kleinod eine kleine Brauerei eingerichtet, die Event- und Erlebnisbrauerei Schollene. Für eine Radtour entlang der Havel ist das Dorf damit gleich doppelt interessant, als Flussquerung mit eigener Geschichte und als Etappenziel mit einer Einkehrmöglichkeit, die über das übliche Dorfgasthaus hinausgeht.
Die Brücke selbst verbindet zwei Uferabschnitte, die zuvor nur über größere Umwege miteinander zu erreichen waren, und erleichtert damit nicht nur Radfahrern, sondern auch den Bewohnern der umliegenden Dörfer den alltäglichen Weg über die Havel. Für eine Tour entlang des Havelradwegs bedeutet das eine kurze, aber praktisch bedeutsame Abkürzung mitten in der Flussniederung.
Havelberg: Wo die Havel die Elbe erreicht
Am nordwestlichen Rand der Region liegt Havelberg, die Stadt, die der gesamten Gegend historisch ihren Namen als ehemaliger Landkreis gab. Hier mündet die Havel in die Elbe, und die Altstadt liegt auf einer kleinen Insel im Fluss. Für den Havelradweg markiert Havelberg einen natürlichen Zielpunkt: Wer der Havel von Schollene aus flussabwärts folgt, erreicht nach wenigen Kilometern die Stadt und damit auch den Übergang in die breitere Elbtalaue.
Die Beschreibung der LEADER-Region hält fest, dass das Plangebiet der ehemaligen Lokalen Aktionsgruppe mit dem alten Landkreis Havelberg identisch war, ein Hinweis darauf, wie zentral die Stadt für die regionale Identität der gesamten Fläche war und bis heute ist, auch nachdem sich die Verwaltungsstrukturen längst geändert haben.
Die Geschichte der Stadt reicht dabei deutlich weiter zurück als jede touristische Erschließung der vergangenen Jahrzehnte: Havelberg war bereits im 10. Jahrhundert Sitz eines Bistums und ist bis heute für seinen jahrhundertealten Pferdemarkt bekannt, eine der ältesten noch bestehenden Veranstaltungen dieser Art in Deutschland. Diese lange Tradition unterscheidet die Stadt von vielen anderen Orten entlang der Route, die touristisch jünger geprägt sind.
Was eine Tour durch die Region ausmacht
Wer eine Tour entlang des Havelradwegs durch den Elb-Havel-Winkel plant, sollte einige Eigenschaften der Region von vornherein einkalkulieren:
- durchgehend flaches Gelände, geeignet auch für weniger trainierte Radfahrer oder Familien
- dünne Besiedlung mit entsprechend größeren Abständen zwischen Einkehrmöglichkeiten
- wetterabhängige Flussauen, die nach starkem Regen zeitweise feucht oder matschig sein können
- wenige, aber thematisch konkrete Zwischenziele wie Schollene und Havelberg
Diese Mischung aus Ruhe und konkreten, einzelnen Anlaufpunkten unterscheidet den Elb-Havel-Winkel von stärker touristisch erschlossenen Flussabschnitten anderswo in Deutschland. Die Region wirkt weniger durchgetaktet, dafür unmittelbarer in dem, was sie zeigt.
Wer die Region zum ersten Mal befährt, sollte außerdem das ergänzende Wegweisungssystem „Radeln nach Zahlen“ im Blick behalten, das abseits des Havelradwegs ein feineres Netz an Verbindungen zwischen den Dörfern der Region bietet und sich gut mit der Hauptroute kombinieren lässt.
Eine touristische Infrastruktur mit abgeschlossener Förderphase
Ein Teil dessen, was Radfahrer heute entlang der Route vorfinden, geht auf eine konkrete Förderphase zurück: Zwischen 2016 und 2022 arbeitete im Elb-Havel-Winkel eine Lokale Aktionsgruppe im Rahmen der EU-Programme LEADER und CLLD an der ländlichen Entwicklung der Region, wie die Beschreibung der LEADER-Initiative auf dieser Dokumentationsseite festhält. Seit Anfang 2023 finden auf dieser Seite keine Aktualisierungen mehr statt, die damalige Arbeit der LAG ist damit, wie die Startseite dokumentiert, inzwischen Teil der Regionalgeschichte.
Für Besucher der Region ändert das wenig am eigentlichen Angebot: Die Brücke in Schollene steht, die Brauerei hat geöffnet, und der Fluss selbst war schon lange vor jeder EU-Förderung da. Was die LEADER-Jahre hinterlassen haben, ist vor allem zusätzliche, konkrete Infrastruktur entlang einer Landschaft, die touristisch längst vorher existierte.
Wer die Entstehung dieser Infrastruktur im Detail nachvollziehen möchte, findet in der Übersicht der abgeschlossenen LEADER-Projekte eine chronologische Auflistung, die weit über den Havelradweg selbst hinausgeht und zeigt, wie viele kleinere Bausteine über die Jahre zusammengekommen sind.
Häufig gestellte Fragen
Wo beginnt und endet der Havelradweg?
Der Havelradweg folgt der Havel von ihrer Quelle in Mecklenburg-Vorpommern bis zur Mündung in die Elbe bei Havelberg, wo auch der Elb-Havel-Winkel liegt.
Ist die Strecke durch den Elb-Havel-Winkel für Einsteiger geeignet?
Ja, die Region ist durchgehend flach und eignet sich auch für weniger geübte Radfahrer oder Familien.
Was ist in Schollene sehenswert?
Die mit LEADER-Mitteln erneuerte Weiße Brücke sowie die Event- und Erlebnisbrauerei in einem historischen Gebäude von 1841.
Woher stammt der Name Elb-Havel-Winkel?
Von der Lage zwischen den Flüssen Elbe im Westen und Havel im Norden, die das Gebiet des ehemaligen Landkreises Havelberg umschließen.