Der Elb-Havel-Winkel im Nordosten Sachsen-Anhalts ist in erster Linie eine Flusslandschaft, geprägt von Elbe und Havel, mit einer dünnen Besiedlung und wenig industrieller Entwicklung. Genau diese Eigenschaften machten die Region über Jahre hinweg zu einem Experimentierfeld für sanften Naturtourismus, unterstützt durch die EU-Förderprogramme LEADER und CLLD.
Zwischen 2016 und 2022 arbeitete hier eine Lokale Aktionsgruppe an verschiedenen Bausteinen dieses touristischen Profils, von Radwegen über ein gemeinde-übergreifendes Wegweisungssystem bis zu einzelnen touristischen Zielen wie der Erlebnisbrauerei in Schollene. Diese Arbeit ist inzwischen abgeschlossen, die einzelnen Ergebnisse bestehen jedoch weiter.
Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Bausteine dieses Naturtourismus-Profils zusammen und ordnet sie als Rückblick auf ein abgeschlossenes Pilotprojekt ein.
Sanfter Naturtourismus unterscheidet sich von klassischem Massentourismus vor allem dadurch, dass er auf wenige, dafür gut gepflegte Infrastruktur setzt, statt auf große Hotelanlagen oder künstlich geschaffene Attraktionen. Für eine dünn besiedelte Region wie den Elb-Havel-Winkel war dieser Ansatz von Anfang an realistischer als der Versuch, mit touristischen Zentren anderswo in Deutschland zu konkurrieren. Wer Ruhe, Wasser und eine überschaubare Zahl konkreter Ziele sucht, findet in dieser Form von Tourismus genau das, was größere, stärker durchorganisierte Reiseziele oft nicht bieten können. Das macht den Elb-Havel-Winkel nicht zu einem Reiseziel für jeden Geschmack, wohl aber zu einem verlässlichen Ziel für alle, die genau diese Art von Landschaft suchen.
Eine Flusslandschaft als Ausgangspunkt
Mit rund 509 Quadratkilometern Fläche und etwa 17.700 Einwohnern, verteilt auf eine Bevölkerungsdichte von knapp 35 Einwohnern pro Quadratkilometer, zählt der Elb-Havel-Winkel zu den dünner besiedelten Teilen des Landkreises Stendal, wie die Beschreibung der LEADER-Region festhält. Diese geringe Bevölkerungsdichte, kombiniert mit der Lage zwischen zwei großen Flüssen, ergab von Anfang an gute Voraussetzungen für einen auf Natur und Ruhe ausgerichteten Tourismus, statt auf Massenangebote zu setzen.
Statt neue, künstliche Attraktionen zu schaffen, konzentrierte sich die touristische Entwicklung der Region konsequent auf das, was bereits vorhanden war: die Flusslandschaft selbst, bestehende Dörfer und einzelne, punktuell geförderte Projekte.
Diese Zurückhaltung bei neuen baulichen Eingriffen hatte einen praktischen Vorteil: Sie erforderte vergleichsweise geringe Investitionen im Vergleich zu einem klassischen touristischen Großprojekt, und sie passte zu einer Landschaft, deren größter Reiz gerade in ihrer Unberührtheit liegt, nicht in zusätzlicher Infrastruktur. Mit rund 509 Quadratkilometern Fläche bei knapp 35 Einwohnern pro Quadratkilometer bot die Region zudem ohnehin genug freien Raum, um auf größere bauliche Eingriffe weitgehend verzichten zu können. Diese geringe Dichte ist zugleich Teil des touristischen Reizes: Wer dem Trubel größerer Reiseziele entkommen möchte, findet hier tatsächlich Platz und Stille statt überfüllter Aussichtspunkte, selbst während der touristischen Hauptsaison in anderen Teilen Sachsen-Anhalts, wenn bekanntere Ziele deutlich voller sind und eine ruhige Reise anderswo kaum noch möglich ist.
Radwege als gemeinsames Rückgrat der Region
Zwei Projekte bildeten dabei das Rückgrat des touristischen Angebots: der überregionale Havelradweg, der durch die Region führt, und das gemeinde-übergreifende Wegweisungssystem „Radeln nach Zahlen“, das zwölf Einheits- und Verbandsgemeinden aus dem Landkreis Stendal und dem Jerichower Land ab 2016 gemeinsam einführten. Beide Systeme ergänzen sich: der Havelradweg als überregional bekannte Route, das Knotenpunktsystem als feineres, lokales Netz abseits davon.
Zusammen erschließen beide Systeme die Region sowohl für durchreisende Fernradler als auch für Besucher, die gezielt die kleineren, weniger bekannten Wege abseits der Hauptroute erkunden möchten.
Dass beide Systeme nebeneinander bestehen, statt sich gegenseitig zu ersetzen, war eine bewusste Entscheidung der beteiligten Kommunen: Der Havelradweg bleibt die verlässliche Hauptachse für Durchreisende, während das Knotenpunktsystem Raum für individuelle, selbst zusammengestellte Routen abseits davon schafft. Für die touristische Vermarktung der Region bedeutete das zwei klar unterscheidbare, aber sich ergänzende Angebote, statt eines einzigen, alles abdeckenden Systems.
Dörfer und Kleinstädte als touristische Ziele
Neben den Radwegen selbst entstanden im Rahmen der Förderung einzelne, konkrete Ziele: die Erlebnisbrauerei in Schollene in einem historischen Gebäude von 1841, sanierte Dorfkirchen in Sandau, Kuhlhausen und Vehlgast sowie ein Gesundheitszentrum in Klietz, das vor allem den Bewohnern selbst zugutekommt. Ergänzt wird dieses Bild durch benachbarte Städte wie Havelberg mit seinem romanischen Dom und Stendal mit dem Winckelmann-Museum, beides Ziele außerhalb des eigentlichen Fördergebiets, aber fest Teil der touristischen Wahrnehmung der weiteren Region.
Auch das nahegelegene Tangermünde mit seiner mittelalterlichen Altstadt und seinem Beinamen „Kaiserstadt“ gehört in dieses größere Bild, als Ziel, das in der realen Berichterstattung der Region ausdrücklich in einem Atemzug mit Havelberg und Stendal genannt wurde.
Zusammengenommen ergibt sich damit ein touristisches Angebot, das sich bewusst nicht auf ein einzelnes Highlight stützt, sondern auf eine Reihe kleinerer, über die Region verteilter Ziele, die sich je nach Interesse und verfügbarer Zeit miteinander kombinieren lassen, von einem kurzen Nachmittagsausflug bis zu einer mehrtägigen Reise durch mehrere Orte. Gerade diese Flexibilität, statt eines einzigen vorgeschriebenen Reiseplans, passt zu einer Region, deren Stärke in der Summe vieler kleiner, real existierender Ziele liegt, nicht in einer einzelnen großen Attraktion.
Ein Pilotprojekt mit abgeschlossener Förderphase
Die beschriebene Entwicklung lief unter dem Dach der Lokalen Aktionsgruppe „Elb-Havel-Winkel“, deren Arbeit zum 31. Dezember 2022 endete, gemeinsam mit der benachbarten LAG „Uchte-Tanger-Elbe“. Seit dem 1. Januar 2023 finden auf dieser Dokumentationsseite keine Aktualisierungen mehr statt, ein Umstand, den die Pressestimmen und weitere Seiten dieser Dokumentation offenlegen, statt ihn zu verschweigen.
Als Rückblick betrachtet war der Elb-Havel-Winkel damit ein Pilotprojekt für sanften Naturtourismus in einer dünn besiedelten Flusslandschaft, dessen administrative Phase abgeschlossen ist, dessen bauliche und touristische Ergebnisse, von der Brücke in Schollene bis zur Wegweisung in zwölf Gemeinden, aber weiterhin Teil der real besuchbaren Region sind, wie es auch die Übersicht aller Dokumentationsseiten an dieser Stelle zusammenfasst.
Wer sich eingehender mit der Geschichte dieser Förderjahre beschäftigen möchte, findet in der realen Abschieds-Nachricht vom November 2022 einen unmittelbaren, zeitgenössischen Eindruck davon, wie die damaligen Akteure selbst auf das Ende dieser Phase zurückblickten, kurz bevor die Dokumentation eingefroren wurde.
Häufig gestellte Fragen
Was macht den Elb-Havel-Winkel für Naturtourismus geeignet?
Die geringe Bevölkerungsdichte und die Lage zwischen Elbe und Havel ergeben eine ruhige, von Flusslandschaft geprägte Umgebung.
Welche zwei Radweg-Systeme prägen die Region?
Der überregionale Havelradweg und das lokale, gemeinde-übergreifende Wegweisungssystem „Radeln nach Zahlen“.
Welche konkreten Ziele entstanden durch die Förderung?
Unter anderem die Erlebnisbrauerei in Schollene, sanierte Dorfkirchen in Sandau, Kuhlhausen und Vehlgast sowie ein Gesundheitszentrum in Klietz.
Ist die LAG Elb-Havel-Winkel noch aktiv?
Nein, ihre Arbeit endete zum 31. Dezember 2022; diese Dokumentationsseite hält die Ergebnisse dieser Zeit transparent fest, ohne laufende Aktivität zu behaupten.