Craft-Bier im Elb-Havel-Winkel: Die Erlebnisbrauerei in Schollene

Der Trend zum Craft-Bier stammt ursprünglich aus den Vereinigten Staaten, wo Enthusiasten vor einigen Jahren begannen, in kleinen, unabhängigen Brauereien handwerklich Bier herzustellen, abseits der großen, standardisierten Marken. Mittlerweile zählt Deutschland mehr als 1.400 solcher Mikro-Brauereien, mit einem klaren Schwerpunkt in Bayern, aber zunehmend auch in Regionen, die bislang nicht für eigene Bierproduktion bekannt waren.

Eine dieser Regionen ist der Elb-Havel-Winkel im Nordosten Sachsen-Anhalts. Im kleinen Ort Schollene eröffnete Gastwirt Maik Kleinod, bekannt durch seinen Landgasthof „Seeblick“ im nahen Klietz, eine eigene kleine Bierproduktion in einem Gebäude mit langer eigener Geschichte. Unterstützt wurde das Vorhaben von der damaligen Lokalen Aktionsgruppe „Elb-Havel-Winkel“ im Rahmen des EU-Förderprogramms LEADER.

Dieser Beitrag beschreibt, wie aus einem historischen Brauereigebäude eine moderne Erlebnis-Gastronomie wurde und welche Rolle die Förderung dabei spielte.

Dass ausgerechnet ein kleines Dorf an der Havel zu einem Standort für Craft-Bier wurde, hat auch mit der allgemeinen Entwicklung des deutschen Biermarkts zu tun: Immer mehr Konsumenten suchen nach regionalen, nachvollziehbaren Produkten statt nach bundesweit einheitlichen Massenmarken, ein Trend, von dem auch ländliche Regionen abseits der großen Brauereistandorte profitieren können. Wie das Vorhaben im Einzelnen ablief, beschreibt auch die reale Erfolgsgeschichte zur Erlebnisbrauerei auf dieser Dokumentationsseite.

Vom amerikanischen Trend zur Mikro-Brauerei in Sachsen-Anhalt

Craft-Bier unterscheidet sich von industriell hergestelltem Bier vor allem durch die kleinere Produktionsmenge und die handwerkliche Herstellung, oft mit eigenen Rezepturen, die von den etablierten Standardsorten abweichen. In den USA entstand daraus seit den 1980er-Jahren eine eigene Bewegung, die mittlerweile auch den europäischen Biermarkt verändert hat. In Deutschland, traditionell ein Land großer Brauereien mit langer Geschichte, hat sich die Craft-Bier-Szene seit einigen Jahren parallel dazu etabliert.

Dass eine solche Mikro-Brauerei ausgerechnet im eher ländlich geprägten Elb-Havel-Winkel entsteht, passt zu einem größeren Muster: Gerade abseits der großen Städte suchen Gastronomen nach Wegen, ein regionales, unverwechselbares Angebot zu schaffen, das Gäste gezielt anzieht, statt lediglich ein bestehendes Sortiment anzubieten. Schollene, ein kleines Dorf direkt an der Havel, war dafür zunächst kein naheliegender Standort, verfügte aber über ein Gebäude mit genau der richtigen Geschichte.

Parallel zur eigentlichen Craft-Bier-Bewegung hat sich in Deutschland auch das Interesse an der Geschichte einzelner Brauereigebäude verstärkt. Viele der neuen Mikro-Brauereien entstehen nicht auf der grünen Wiese, sondern in alten, oft jahrzehntelang ungenutzten Gebäuden, die auf diese Weise eine neue Funktion erhalten, statt weiter zu verfallen.

Ein Gebäude von 1841 mit wechselvoller Geschichte

Das Gebäude, in dem die heutige Brauerei untergebracht ist, wurde bereits 1841 errichtet und diente ursprünglich selbst als Brauerei, bevor es zwischenzeitlich geschlossen wurde. Erst Jahrzehnte später entstand daraus wieder eine Produktionsstätte, diesmal unter dem Namen Elbe-Havel-Brauerei und unter der Leitung von Maik Kleinod, der im nahen Klietz bereits den Landgasthof „Seeblick“ betreibt.

Diese Verbindung zwischen zwei Betrieben, einem bestehenden Landgasthof in Klietz und einer neuen Brauerei in Schollene, erweitert das gastronomische Angebot der gesamten Region um ein zusätzliches, eigenständiges Ziel. Besucher, die ohnehin im Elb-Havel-Winkel unterwegs sind, erhalten damit einen zweiten, thematisch klar abgegrenzten Anlaufpunkt.

Dass das Gebäude über so viele Jahrzehnte hinweg erhalten blieb, obwohl es zwischenzeitlich nicht mehr genutzt wurde, ist in ländlichen Regionen keine Selbstverständlichkeit. Viele vergleichbare historische Gebäude verschwinden über die Jahre, wenn sich keine neue Nutzung findet, die die notwendigen Investitionen rechtfertigt.

Zwei Bauabschnitte mit LEADER-Förderung

Die Umwandlung des alten Gebäudes in eine moderne Produktionsstätte erfolgte mit Unterstützung von zwei Förderprojekten aus dem EU-Programm LEADER, getragen von der damaligen Lokalen Aktionsgruppe „Elb-Havel-Winkel“. Im ersten Bauabschnitt wurde der Gastraum grundlegend saniert: neue Möbel, neue Bodenbeläge und Wandverkleidungen, erneuerte Haustechnik und ein neuer Tresen. Im Obergeschoss entstanden zudem moderne Arbeitsräume für den Brauereimeister und das Personal, während im Dachgeschoss das Malzlager und die Schrotmühle instand gesetzt wurden.

Der zweite Bauabschnitt widmete sich den Außenanlagen: neue Stellplätze für Pkw und Busse, eine funktionierende Regenentwässerung sowie eine Terrasse am Saal. Eine alte Ruine auf dem Gelände wurde im Zuge dessen abgerissen. Beide Bauabschnitte zusammen verwandelten ein brachliegendes historisches Gebäude in eine vollständig nutzbare Erlebnis- und Event-Gastronomie mit eigener Bierproduktion.

Dass ein Vorhaben dieser Größenordnung über zwei getrennte Förderprojekte abgewickelt wurde, zeigt zugleich, wie LEADER-Förderung in der Praxis häufig funktionierte: nicht als einmalige Komplettfinanzierung, sondern als Abfolge einzelner, klar abgegrenzter Bauabschnitte, die jeweils für sich beantragt und umgesetzt werden mussten, dokumentiert unter anderem in der Übersicht zu Förderdokumenten und Richtlinien dieser Seite.

Mehr als Bier: Ein neues Ziel für die Region

Für Besucher bietet die Brauerei heute mehr als nur ein kühles Bier vom Fass oder aus der Flasche mit eigens entwickeltem Etikett: Wer möchte, kann den Brauprozess selbst mitverfolgen, ein Anliegen, das dem Betreiber bei der Gestaltung des Angebots ausdrücklich wichtig war. Damit richtet sich die Brauerei nicht nur an Radtouristen entlang des Havelradwegs, sondern auch an Einwohner von Schollene und der umliegenden Dörfer, die einen neuen Treffpunkt in Reichweite suchen.

Diese Doppelfunktion, touristisches Ziel und lokaler Treffpunkt zugleich, war Teil des ursprünglichen Gedankens hinter dem Projekt: der Region mehr zu bieten als die traditionellen Kirchen und Museen, wie es auf der Beschreibung der LEADER-Region im Zusammenhang mit anderen geförderten Vorhaben ebenfalls anklingt. Craft-Bier liegt damit, wie andernorts in Deutschland, inzwischen auch zwischen Elbe und Havel im Trend, mit einem sehr konkreten, besuchbaren Ergebnis in Schollene.

Auch im Rückblick auf die gesamte Förderzeit der Region bleibt die Brauerei eines der zuletzt realisierten und am konkretesten beschriebenen Projekte, vergleichbar mit der knotenpunktbezogenen Wegweisung, die im selben Zeitraum in der Region umgesetzt wurde.

Das Bier selbst wird sowohl vom Fass als auch als Flaschenabfüllung mit eigens entwickeltem Etikett angeboten, sodass Besucher ein regionales Produkt auch über den eigentlichen Besuch hinaus mitnehmen können. Für eine ländliche Region ohne lange eigene Brautradition ist das ein ungewöhnlich vollständiges Angebot, vom frisch gezapften Bier vor Ort bis zur Flasche für zu Hause.

Häufig gestellte Fragen

Wer betreibt die Erlebnisbrauerei in Schollene?

Gastwirt Maik Kleinod, der im nahen Klietz auch den Landgasthof „Seeblick“ führt.

Wie alt ist das Gebäude der Brauerei?

Es wurde 1841 errichtet und diente ursprünglich bereits als Brauerei, bevor es zwischenzeitlich geschlossen und später wiedereröffnet wurde.

Welche Rolle spielte die LEADER-Förderung?

Zwei Förderprojekte unterstützten sowohl die Sanierung des Gastraums und der Produktionsräume als auch den Ausbau der Außenanlagen.

Kann man den Brauprozess vor Ort sehen?

Ja, Besucher können dem Brauprozess zuschauen, das war dem Betreiber bei der Gestaltung des Angebots ausdrücklich wichtig.